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5.12.2009 - Philipp's Bericht vom Besuch am Hohen Bogen mit Bildern
Herzlichen Dank an Philipp für seine Fotos und seinen
tollen Bericht. Die Benutzung der zusätzlichen Luftaufnahmen wurde uns freundlicherweise ermöglicht von Claus Wietek.

Am Samstag den 21.November 2009 machten sich fünf Mitglieder des DARC Ortsverbands Erding auf die Fahrt an den Hohen Bogen im Bayerischen Wald. Was verschlägt uns Funkamateure aus Erding um diese Jahreszeit auf einen Berg im Bayerischen Wald? Die Lösung ist ganz einfach: Mit anderen Funkern aus dem BCC (Bavarian Contest Club) hatten wir kurzfristig die Möglichkeit bekommen das Gelände der ehemaligen Funkabhörstation am Hohen Bogen zu besichtigen, bevor sie umgebaut wird. Diese Gelegenheit ließen wir uns natürlich nicht entgehen.

Was muss man sich unter einer Funkabhörstation vorstellen? Hierbei handelt es sich um einen sogenannten NATO–Horchposten. Entstanden in der Zeit des „Kalten Krieges“ gab es fünf solcher Luftwaffenstandorte in einer Kette, unmittelbar entlang der westdeutschen Grenze zur DDR und zur Tschechoslowakei. Ihr Ziel war es, den “Feind im Osten” möglichst genau zu beobachten, das heißt, sämtlichen erreichbaren Funkverkehr dort abzuhören um die Ergebnisse zur Bewertung weiterzugeben. Im Fernmeldesektor F am Hohen Bogen waren neben Angehörigen der Bundeswehr auch US-amerikanische (bis 1992) und französische Einheiten (bis 1994) stationiert, bis er als einer letzten im Jahr 2004 stillgelegt wurde. Alle fünf Abhörstandorte bestanden im Wesentlichen aus einem ca. 75 Meter hohen Turm in dem die passiven Empfangs- und Abhöranlagen installiert waren, sowie einiger Nebengebäude und nur der Fernmeldesektor F bekam einen zusätzlichen Turm. Damit sind die Doppeltürme auf dem Hohen Bogen zum unverwechselbaren Wahrzeichen aus der Zeit des Kalten Krieges geworden.

Zurück zu unserer Besuchertour: Los ging es in Erding um kurz vor sieben Uhr. Noch etwas müde vom vergangenen Clubabend fuhren wir mit Christoph (DL4YAO) los. Mit von der Partie waren Karl (DL1MEB),
und wir DN5KID-Jungfunker Patrick, Philipp und Robert. Nach gut zweistündiger Fahrt erreichten wir unser Ziel in Kötzting im Landkreis Cham, in der Oberpfalz. Auf der Anfahrt konnten wir schon aus großer Entfernung die zwei mächtigen Türme auf dem Schwarzriegel am Hohen Bogen erkennen.
Empfangen wurden wir von Martin (DL4NAC) und Martin (DO3NML). Sie führte und zuerst in das ehemalige Unteroffizierscasino der Hohen Bogen Kaserne in Kötzting, auch bekannt als Museumsstüberl, wo wir einen Bildervortrag über den Standort und die Aufgaben der damals stationierten Truppen sowie Informationen über das Abhören des Funk- und Flugverkehrs bekamen.
Im Anschluss fuhren wir zur 1079 Meter über Normal Null liegenden Einsatzstellung auf dem Schwarzriegel. In der alten Kantine konnten wir uns bei einem „Schaschlik-Topf“oder frischen Weißwürsten mit Brezen erst einmal stärken. Danach folgte noch ein Vortrag, der sich spezifisch um die beiden Türme selbst handelte. Jetzt war es aber endlich so weit, es begann der Rundgang durch die Anlage. Martin (DL4NAC) führte uns in die langen unterirdischen Gänge. Vom ABC – Bunker gingen wir über eine Wendeltreppe in den 9. Stock um den Rest des Weges über eine rostige Leiter zurückzulegen. Wir pumpten die mit Druckluft betätigte Tür zur Plattform auf und wagten uns vorsichtig mit kleinen Schritten hinaus. Vor 10 Jahren waren hier noch riesige Antennen befestigt die jedes Funkerherz hätten höher schlagen lassen. Von dieser Plattform konnte man in ca. 40 Kilometer Entfernung den, für den Warschauer Pakt wichtigen, tschechischen Beobachterturm auf dem Cerchov erkennen. Dort wird heute eine 2 m Amateurfunkstation mit 8 KW Sendeleistung betrieben. Nachdem wir wieder von der Plattform zurück im Turm waren machten wir uns auf den Weg über das Treppenhaus (ganz mutige nutzen den schnellen Weg mit einer Rutsche) in das BND–Abhörgeschoss. Es war total interessant den Ausführungen zu „lauschen“, was sich hier in der Vergangenheit so alles abgespielt hat. (Anm. d. Red.: Drei Jahre vor Auflösung des Standorts wurde sogar ein Spionagefall im Fernmeldesektor F bekannt.)
Wir fragten Martin im Anschluss, ob er uns noch den Munitionsbunker zeigen und uns zu den Wachhunden führen würde, denn die Wachhunde sichern auch heute noch das Gelände in den Sperrzeiten gegen „ungebetene Gäste“ ab. Gerne wollte er uns diese Einrichtungen noch zeigen, antwortete er. Mit großem Interesse verfolgten wir Martins weiteren Erklärungen und als besonderes „Highlight“ lotste er uns dann noch in den „Amerikanischen Sektor“ des Geländes, so daß wir Besucher uns 20 Minuten auf amerikanischen Boden, mitten im Bayerischen Wald, aufhalten konnten!
Jetzt, nachdem das Militär abgezogen ist, soll der mitten im Naturschutzgebiet liegende ehemalige Luftwaffenstandort am Schwarzriegel neben einem Wellness-Hotel auch in ein Museum mit Aussichtscafé und angrenzendem Jugendbereich umgebaut werden. Ähnlich wie am Schneeberg mit DF0WUN ist auch hier an eine dauerhafte Amateurfunkstation gedacht. Eigentümer der Anlage ist die von Michael Schreiner gegründete Hoher Bogen Mountain Resort GmbH. Sie hat das 30.000 m² große Areal gekauft und möchte hier in der nächsten Zeit ca. 5 Millionen € investieren. Gemeinsam mit dem „Traditionsverein Hohenbogenkaserne“ soll es hier neben dem Erhalt der Tradition um die Kaserne, auch um die Information von vielen Besuchergruppen und die Erhaltung des Wissens über den Kalten Krieg sowie der damals verwendeten Abhör- und Überwachungs-
technologie gehen.

Lange Wege waren an diesem hochinteressanten Tag zurück zu legen und viele Eindrücke konnten wir durch die tolle Führung mitnehmen. Außerdem haben wir eine Menge über Funktechnik erfahren. Wir danken Martin (DL4NAC), Martin (DO3NML) für den rundum gelungenen Ausflug in die Vergangenheit.

Weitere Informationen zur Anlage könnt ihr auch unter den folgenden Links bekommen:
www.traditionsverein-hohenbogenkaserne.de/?Willkommen
www.whoopster.de/fotos/zum-fernmeldeturm-auf-dem-hohen-bogen-mit-dem-rad/
www.de.wikipedia.org/wiki/Hoher_Bogen
www.br-online.de/bayern2/radiowelt/radiowelt-09-kw30-hoher-bogen-ID1248420471416.xml
Allgemeinere Infos zu den Fernmeldesektor-Türmen gibt es z.B. auch hier:
www.de.wikipedia.org/wiki/Aufkl%C3%A4rungsturm_%28Bundeswehr%29
www.lostplaces.de/fernmeldesektor-luftwaffe-horchposten.html
www.fernmeldesektor-c.ch.vu/

Text: Philipp, überarbeitet von Harald, DB1MUC
Bilder: Philipp, Claus Wietek


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